Unfallrente Berechnung: Höhe der gesetzlichen und privaten Unfallrente berechnen

Die Höhe einer gesetzlichen und privaten Unfallrente wird auf unterschiedliche Art und Weise "berechnet". Während sie bei privaten Versicherern im Versicherungsvertrag klar festgelegt ist und die Unfallrente ab Erreichen der definierten Invaliditätsgrenze ausgezahlt wird (je nach Bedingungen eventuell mit Ab- und Zuschlägen bei Erreichen bestimmter Invaliditätsgrade), berechnet sich die Höhe der gesetzlichen Unfallrente nach dem erzielten Arbeitseinkommen und -entgelt im Jahr vor dem Unfall sowie der „Schwere“ der Verletzung bzw. Berufskrankheit.

Berechnung der Höhe der gesetzlichen Unfallrente

Jahresarbeitsverdienst (JAV)

Die gesetzliche Unfallrente wird nach dem Jahresarbeitsverdienst, kurz JAV, berechnet. Als JAV gilt das Arbeitsentgelt und das Arbeitseinkommen in den letzten zwölf Kalendermonaten vor dem Versicherungsfall (§ 82 Abs. 1 SGB VII).

Für Kinder unter 15 Jahren ist die Höhe des JAV in § 86 SGB VII festgelegt. Für Versicherte ab dem 15. Lebensjahr existiert ein Mindest-JAV (§ 85 Abs. 1 SGB VII).

Der JAV für Kinder und der Mindest-JAV sind von der im Zeitpunkt des Versicherungsfalls maßgebenden Bezugsgröße abhängig, die für die alten und neuen Bundesländer jährlich neu festgelegt wird. Demzufolge beträgt der Jahresarbeitsverdienst für Versicherte

  • bis zum 6. Lebensjahr 25 Prozent
  • vom 6. bis zum 15. Lebensjahr 33 1/3 Prozent
  • vom 15. bis zum 18. Lebensjahr mindestens 40 Prozent und
  • ab dem 18. Lebensjahr mindestens 60 Prozent

der jeweiligen Bezugsgröße.

Für die Berechnung der gesetzlichen Unfallrente existiert auch eine Obergrenze. Dieser Jahresarbeitsverdienst (Höchst-JAV) ist auf das Zweifache der im Zeitpunkt des Versicherungsfalls maßgebenden Bezugsgröße begrenzt, kann aber durch Regelungen in der Satzung des jeweiligen Unfallversicherungsträgers erhöht werden (§ 85 Abs. 2 SGB VII).

Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE)

Der für die Berechnung der Unfallrentenhöhe zweite wichtige Baustein ist der Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit (kurz MdE).

Bei einem vollständigen Verlust bzw. einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 100 % wird eine Vollrente in Höhe von zwei Dritteln des vor dem Versicherungsfalls erzielten Jahresarbeitsverdienstes gezahlt. Bei einer MdE von wenigstens 20% (Ausnahme für landwirtschaftliche Unternehmer und ihre im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner, sowie nicht nur vorübergehend mitarbeitende Familienangehörige; hier wenigstens 30%) wird der Teil der Vollrente als Teilrente gezahlt, der dem Grad der Minderung entspricht.

Beträgt die Minderung der Erwerbsfähigkeit weniger als 20 bzw. 30 (s.o.) Prozent, so wird die Unfallrente nur gezahlt, wenn die Erwerbsfähigkeit durch mehrere Unfälle (jeweils aber mind. 10% MdE) gemindert ist und diese Minderungen zusammen mindestens 20 Prozent erreichen.

Erhöhung der Unfallrente bei Schwerverletzten

Für Schwerverletzte (MdE 50% oder mehr), die wegen eines Versicherungsfalls einer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen können und keine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, erhöht sich die Rente um 10%.

Erhöhung der Unfallrente bei Arbeitslosen

Solange Versicherte infolge des Versicherungsfalls ohne Anspruch auf Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen sind und die Rente zusammen mit dem Arbeitslosengeld oder dem Arbeitslosengeld II nicht den sich aus § 46 Abs. 1 SGB IX ergebenden Betrag des Übergangsgeldes erreicht, wird die Rente längstens für zwei Jahre nach ihrem Beginn um den Unterschiedsbetrag erhöht. Dies gilt nicht, sofern der Versicherte Anspruch auf weiteres Erwerbsersatzeinkommen (§ 18a Abs. 3 SGB IV) hat, das zusammen mit der Rente das Übergangsgeld erreicht. Ebenso keine Anwendung findet diese Regelung, wenn ALG II nur darlehensweise gewährt wird oder nur Leistungen nach § 24 Absatz 3 Satz 1 SGB II bezogen werden. Der Unterschiedsbetrag wird bei dem Arbeitslosengeld II nicht als Einkommen berücksichtigt.

Minderung bei Heimpflege

Für die Dauer einer Heimpflege von mehr als einem Kalendermonat kann der Unfallversicherungsträger die Rente um höchstens die Hälfte mindern, soweit dies nach den persönlichen Bedürfnissen und Verhältnissen der Versicherten angemessen ist.

Berechnungsbeispiel für die gesetzliche Unfallrente

JAV = 45.000 €
MdE = 50%

monatliche Unfallrente = ( JAV * 2/3 )* MdE / 12 = ( 45.000 * 2/3 ) * 50% / 12 = 1.250 €

Erhält der Schwerverletzte keine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung, gibt es auf die monatliche Unfallrente einen Zuschlag von 10%. Sie würde damit 1.375 € pro Monat betragen.

Jährliche Anpassung der gesetzlichen Unfallrenten

Eine Anpassung der gesetzlichen Unfallrente entsprechend dem Prozentsatz, um den sich die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung ohne Belastungsveränderungen (Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeitrag) verändert haben (§ 95 SGB VII), erfolgt am 01.07. jeden Jahres durch Rechtsverordnung.

Abfindung

Anstelle der monatlichen gesetzlichen Unfallrente kann ganz oder teilweise eine einmalige Auszahlung treten. Wie sich diese Abfindung berechnet, wird auf einer eigenen Unterseite auf unfallrente.net ausführlich dargestellt.

Berechnung der Höhe der privaten Unfallrente

Völlig im Gegensatz zu den Berechnungsgrundlagen der gesetzlichen Unfallversicherung steht die Vereinbarung einer Unfallrente innerhalb privater Unfall(renten)versicherungsverträge. Wird bei der Ermittlung der gesetzlichen Unfallrente der Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit und der Jahresarbeitsverdienst herangezogen, so entfallen diese Berechnungsbausteine bei der privaten Unfallrente vollständig.

Die Höhe der privaten Unfallrente erfolgt bei Vertragsschluss. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer eine feste monatliche Unfallrente, zum Beispiel 400 Euro bei Eintritt einer Invalidität, als monatliche Rentenzahlung erhält. Die Versicherer erlauben in der Regel nur Unfallrenten bis zu bestimmten Höhen zu vereinbaren (mal 1.000 €, aber auch über 3.000 € sind, je nach Versicherer, möglich).

Gestaltungsspielraum besteht jedoch in der Tatsache, ab wann die private Unfallrente in welcher Höhe gezahlt wird. I.d.R. zahlen die Versicherer ab 50% Invalidität die volle Summe, es gibt jedoch auch Anbieter, die bei geringeren Invaliditätsgraden leisten oder bei höheren. Zudem können Vereinbarungen getroffen werden, dass sich die Höhe der Unfallrente ab einem bestimmten Invaliditätsgrad vervielfacht oder auch bspw. halbiert (bspw. bei einem geringeren Grad). Hier sind also verschiedene Klauseln in den Versicherungsbedingungen anzutreffen.

Ebenfalls vereinbart werden können Beitrags- und Leistungsdynamiken, sodass sich die Unfallrente automatisch zu bestimmten Zeitpunkten im Leistungs- bzw. Nichtleistungsfall erhöht. Auch Kapitalabfindungsoptionen sind auf dem Markt privater Unfallrentenversicherungen einzukaufen.