Unfallrente Abfindung

Sehr interessant für alle Bezieher einer privaten, aber vor allem gesetzlichen Unfallrente ist die Frage, ob die monatliche Rentenzahlung auch in einer Summe, als Abfindung, kapitalisiert bzw. ausbezahlt werden kann? Dazu existieren unterschiedliche Anwendungsbeispiele. Im Falle der gesetzlichen Berufskrankheits-/Verletztenrente sind die genauen Bestimmungen für den Unfallversicherungsträger im SGB VII festgelegt.

Abfindung der gesetzlichen Unfallrente

Anstelle der monatlichen gesetzlichen Unfallrente kann ganz oder teilweise eine einmalige Auszahlung treten. Diese Abfindung hat keinen Einfluss auf andere Leistungen wie zum Beispiel ärztliche Behandlung, Leistungen zur Teilhabe oder Pflege, d.h. wenn diese wegen der Folgen des Versicherungsfalls erforderlich sind, werden die Leistungen auch weiterhin erbracht.

Abfindung der gesetzlichen Unfallrente bei vorläufiger Entscheidung

Sofern zu erwarten ist, dass nur eine Unfallrente in Form der vorläufigen Entschädigung (d.h. für einen Zeitraum von drei Jahren) zu zahlen ist, kann der Unfallversicherungsträger dem Versicherten nach Abschluss der Heilbehandlung eine Gesamtvergütung in Höhe des voraussichtlichen Rentenaufwandes zahlen.

Sollten wider Erwarten auch nach Ablauf des Zeitraums, für den die Gesamtvergütung bestimmt war, die Folgen des Versicherungsfalls noch so schwerwiegend sein, dass weiterhin eine Rentenzahlung in Betracht kommt, wird der Unfallversicherungsträger nach Information prüfen, ob weiterhin ein Rentenanspruch besteht und die Unfallrente gegebenenfalls als vorläufige Entscheidung oder auf unbestimmte Zeit auszahlen.

Abfindung der gesetzlichen Unfallrente auf unbestimmte Zeit

Auch bei einem Anspruch auf Unfallrente auf unbestimmte Zeit kann eine Abfindung gezahlt werden. Dazu muss ein entsprechender Antrag beim Unfallversicherungsträger gestellt werden. Voraussetzung ist, dass die Folgen des Versicherungsfalls sich in Zukunft nicht mehr wesentlich bessern werden, also die festgestellte Minderung der Erwerbsfähigkeit voraussichtlich um nicht mehr als 5% sinkt.

Minderung der Erwerbsfähigkeit unter 40%

Versicherte, welche einen Anspruch auf eine gesetzliche Unfallrente wegen einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von weniger als 40 Prozent haben, können auf Antrag mit einem dem Kapitalwert der Rente entsprechenden Betrag endgültig abgefunden werden. Besteht Anspruch auf mehrere Renten mit einer MdE von zusammen unter 40%, können alle oder auch nur einige abgefunden werden. Voraussetzung ist, dass der Rentenbezieher eine "normale Lebenserwartung" besitzt. Die Berechnung des Abfindungsbetrages wird in einer Rechtsverordnung geregelt.

Tritt nach der Abfindung eine wesentliche Verschlimmerung der Folgen des Versicherungsfalls (§ 73 Abs. 3 SGB VII) ein, wird insoweit Rente gezahlt.

Minderung der Erwerbsfähigkeit ab 40%

Versicherte ab 18 Jahre, die Anspruch auf eine oder mehrere Rente wegen einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von insgesamt 40% oder mehr haben, können auf ihren Antrag durch einen Geldbetrag abgefunden werden.

Die Unfallrente wird bis zur Hälfte für einen Zeitraum von zehn Jahren abgefunden. Als Abfindungssumme wird das Neunfache des der Abfindung zugrundeliegenden Jahresbetrages der Rente gezahlt. Der Anspruch auf den Teil der Rente, an dessen Stelle die Abfindung tritt, erlischt mit Ablauf des Monats der Auszahlung für zehn Jahre.

Der nicht abgefundene Teil der Unfallrente wird laufend weitergezahlt und nimmt an den jährlichen Rentenanpassungen teil. Nach Ablauf der zehn Jahre wird dann wieder die gesamte gesetzliche Unfallrente in monatlichen Teilbeträgen gezahlt.

Abfindung bei privaten Unfallrenten

Bei den privaten Unfallversicherern steigt zwar die Bedeutung der Unfallrente, jedoch ist überwiegend noch der Baustein Invaliditätsleistung als einmalige Kapitalzahlung in den privaten Unfallverträgen dominierend.

In der Praxis gehen diverse private Versicherer dennoch häufiger auf die Auszahlung einer einmaligen Abfindung der Unfallrente ein, da sie dort in der Gesamtkalkulation am Einzelbeispiel zumeist etwas besser dastehen. In den meisten Fällen sind dies aber Kulanzentscheidungen, die nicht zwingend im Bedingungswerk festgelegt sind.