8 bis 9 Millionen Unfälle ereignen sich pro Jahr in Deutschland, rechnerisch also einer alle vier Sekunden (Quelle).

Bleiben nach einem schweren Unfall Beeinträchtigungen zurück, ändern sich auch die Anforderungen im Alltag auf Dauer. Für manches, was früher selbst erledigt wurde, muss dann Hilfe in Anspruch genommen werden: Die Kosten für die Lebensführung steigen. Eine Kinderbetreuung, Haushalts- oder Pflegehilfe kann dann aus einer privaten Unfallrente bezahlt werden.

Sie wird von den Versicherern als eigenständiger Vertrag oder als Erweiterung zur "klassischen Unfallversicherung" mit einmaliger Kapitalleistung angeboten.

Die gesetzliche Unfallrente reicht meist nicht aus

Die gesetzliche Unfallversicherung, ein Zweig der deutschen Sozialversicherung, deckt mit ihrem Pendant zur privaten Unfallrente – der Berufskrankheits-/Verletztenrente - nur einen Teil des Risikos für die Versicherten (bspw. Arbeitnehmer, Schüler, Studenten, Auszubildende) ab. Zum einen greift sie bei Arbeitnehmern nur bei einem Arbeitsunfall, bei Unfällen während einer Dienstreise und für sogenannte Wegeunfälle, also Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Im Falle einer Invalidität aufgrund einer Berufserkrankheit bietet sie lediglich Schutz, wenn die Erkrankung in der sogenannten Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet ist und nachweislich alleine durch den Beruf verursacht wurde. Die private Unfallrentenversicherung hingegen bietet weltweiten Schutz in allen Fällen, also sowohl auf Arbeit als auch bei einer privaten Reise, bei Unfällen im Haushalt, beim Ausüben des Hobbys, usw. Laut Statistik passieren gerade 60-80% aller Unfälle in Deutschland außerhalb des Versicherungsschutzes der gesetzlichen Unfallversicherung!

Einen Unterschied gibt es auch bei der Berechnung der Höhe der Unfallrente. Während bei der privaten Unfallrente ab Überschreiten des festgelegten Invaliditätsgrades die vertraglich vereinbarte Rentenhöhe ausgezahlt wird, bemisst sich die Höhe bei der gesetzlichen Unfallrente nach dem Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) und dem letzten Jahresarbeitsverdienst (JAV). Eine Vollrente, d.h. bei Arbeitnehmern 2/3 des gesamten Arbeitseinkommens der zwölf Kalendermonate vor dem Monat (max. bis zum Höchst-JAV), in dem der Versicherungsfall eingetreten ist, gibt es bei Verlust der Erwerbsfähigkeit (100% MdE). Bei einer teilweisen MdE (mindestens 20%, bei Versicherungsfällen ab dem 1. Januar 2008 bei landwirtschaftlichen Unternehmern und ihren im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner, sowie nicht nur vorübergehend mitarbeitende Familienangehörige wenigstens 30%!) gibt es entsprechend dem Grad eine Teilrente auf 2/3 des JAV.

Ein weiterer Nachteil der gesetzlichen Unfallversicherung ist, dass sie im Gegensatz zur privaten Unfallversicherung die Leistung einer Kapitalsumme nicht vorsieht (Ausnahme: Abfindung einer Unfallrente und freiwillig Versicherte, die eine Versicherungssumme wählen können). Es werden lediglich fortlaufende Geldleistungen/Entschädigungen gezahlt, die den Lebensunterhalt sichern sollen. Kosten für einen behindertengerechten Umbau des Hauses / der Wohnung oder Fahrzeugs müssen privat bezahlt oder durch eine private Unfallversicherung (in Form einer Kapitalsumme) abgesichert werden.

Höhe der privaten Unfallrente

Die selbst festzulegende Höhe der privaten Unfallrente sollte ausreichen, um notfalls einen Verdienstausfall auszugleichen und neue entstehende Kosten für die Lebensführung abzudecken. Bei einem besonders hohen Invaliditätsgrad kann sich die monatliche Unfallrente je nach Vertrag auch automatisch verdoppeln oder sogar verdreifachen. Eine eingebaute Beitrags- und Leistungsdynamik ermöglicht das jährliche Anpassen der Rente, bspw. zum Inflationsausgleich.

Auszahlung der privaten Unfallrente

In den Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen (AUB) ist der Unfallbegriff wie folgt definiert: "Ein Unfall liegt vor, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis/Unfallereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet." Grundsätzlich muss also für einen Anspruch dieser Definition genüge getan werden, sofern nichts anderes vereinbart ist.

Eine private Unfallrente wird immer ab dem Unfalltag ausgezahlt. Wird der Invaliditätsgrad erst später von einem Arzt festgestellt (max. 15 Monate nach dem Unfalltag!), kann die Versicherungsleistung auch rückwirkend erfolgen. Die Rente wird jeden Monat lebenslang (oder wenn vereinbart auch kürzer, bspw. bis zum Renteneintrittsalter) ausgezahlt, solange die Invalidität anhält - manche Versicherer verzichten nach einigen Jahren auf eine erneute ärztliche Begutachtung.

Gliedertaxe

Die Gliedertaxe besagt, mit welcher Schwere der Funktionsverlust oder die vollständige Funktionsunfähigkeit einzelner Körperteile (Glieder) und Sinnesorgane beurteilt wird. Die private Unfallrente wird ausgezahlt, sofern der vertraglich vereinbarte Invaliditätsgrad überschritten wird (i.d.R. 50%).

Hier die Gliedertaxe aus der Empfehlung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV):

Körperteil / Sinnesorgan   Einstufung der Invaliditätsgrade nach Prozent
Arm   70%
  bis oberhalb des Ellenbogengelenkes 65%
  unterhalb des Ellenbogengelenkes 60%
  Hand 55%
Finger Daumen 20%
  Zeigefinger 10%
  ein anderer Finger 5%
Bein über Mitte des Oberschenkels 70%
  bis Mitte des Oberschenkels 60%
  bis unterhalb des Knies 50%
  bis Mitte des Unterschenkels 45%
Zehen große Zehe 5%
  eine andere Zehe 2%
Auge beide Augen 100%
  ein Auge 50%
Ohr Gehör auf beiden Ohren 60%
  Gehör auf einem Ohr 30%
Sinnesbeeinträchtigung Geruchssinn 10%
  Geschmackssinn 5%

Diese Gliedertaxe des GDV ist nicht verbindlich. Die Versicherer machen vielfach davon Gebrauch und bieten Tarife mit "verbesserten Gliedertaxen" an. Daher gelten die im jeweiligen Vertrag! Ein Vergleich der Anbieter in diesem Hinblick lohnt sich!

In der Praxis wird die Gliedertaxe laut GDV bei etwa 80 Prozent der Invaliditätsfälle angewendet. In anderen Fällen ist die konkrete Gesundheitsbeeinträchtigung nicht ausdrücklich in der Gliedertaxe geregelt. Für die Berechnung der Invaliditätsleistung ist dann entscheidend, inwieweit das gesamte Leistungsspektrum des Versicherten durch den Unfall beeinträchtigt wird. Grundlage ist immer ein ärztliches Gutachten.

Liegen dem Versicherer die notwendigen Unterlagen und Auskünfte vor, muss er innerhalb von bis zu drei Monaten über seine Leistungen entscheiden. Nach dieser Entscheidung zahlt der Versicherer gegebenenfalls innerhalb von 14 Tagen. Bis zu drei Jahre nach dem Unfall (bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr fünf Jahre) ist der Betroffene ebenso wie seine Versicherung berechtigt, den Grad der Invalidität jährlich neu feststellen zu lassen. Dann muss allerdings die Unfallrentenzahlung endgültig festgelegt werden.

Hinweis: Wer über eine private Unfallrente verfügt, kann unter Umständen bei einem Arbeitsunfall sowohl eine gesetzliche Unfallrente als auch gleichzeitig die private Unfallrente erhalten, da die Privatabsicherung in der Regel für sämtliche Unfälle – egal ob beruflich oder nicht – leistet.

Private Unfallrente als Ersatz zur Berunfsunfähigkeitsversicherung?

Eine Unfallrentenversicherung kann auch für all diejenigen empfehlenswert sein, die aufgrund bestimmter Vorerkrankungen keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen können oder eine solche Absicherung zu teuer ist. Bei der privaten Unfallrentenversicherung gilt es nur wenige – in manchen fällen auch gar keine – Gesundheitsfragen zu beantworten. Jedoch kann die Unfallrente keine Berufsunfähigkeitsrente ersetzen, da sie nur eine Ausschnittsdeckung darstellt.

Weitere Extras bei der privaten Unfallrente

In den privatrechtlichen Verträgen zwischen Versicherungsunternehmen und Versicherungsnehmer können je nach Anbieter weitere Extras vereinbart werden, wie bspw. eine Beitragsbefreiung bei Arbeitslosigkeit, die Erweiterung des Unfallbegriffs auf bestimmte Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebsleiden, Infektionen, ...), Rentengarantiezeit / Hinterbliebenenrente, Leistung bereits ab Invalidität unter 50%, verlängerte Meldefristen, Kapitalabfindungsoption, Beitragsbefreiung im Leistungsfall und vieles mehr.

Die richtige Besteuerung von Beiträgen und Leistungen aus der privaten Unfallrente

Ist der Versicherungsfall eingetreten und bezieht man bereits Rentenzahlungen aus der Unfallrentenversicherung, sollte man sich auch mit der Besteuerung dieser auseinander setzen. Die Unfallrente aus einer privaten Unfallversicherung muss in Deutschland besteuert werden. Dabei ist auf jeden Fall zwischen zwei Bereichen zu unterscheiden: den Beitragszahlungen an und die Leistungen aus der Versicherung.

Beitragszahlungen an die private Unfallrentenversicherung kann man grundsätzlich steuerlich geltend machen. Allerdings muss man hierfür wissen, dass der Teil für die Absicherung von Risiken in der Freizeit und jener für die Absicherung im Beruf unterschiedlich behandelt werden. Aus Vereinfachungsgründen kann von einem 50-prozentigen beruflichen Anteil ausgegangen werden (vergl. BMF v. 28.10.2009 AZ IV C 5 – S 2332/09/10004 Ziffer 1.3), der dann als Werbungskosten steuerlich abzugsfähig ist. Der private Anteil kann im Rahmen des Höchstbetrages für die Basisversorgung (ist im Normalfall bereits ausgeschöpft) als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Dies gilt jedoch nicht für Versicherungsverträge mit Anspruch auf Beitragsrückgewähr (UBR). In diesen Fällen sind der Sonderausgaben- und Werbungskostenabzug ausgeschlossen.

Bei den Rentenleistungen aus der Unfallrentenversicherung gilt es zu wissen, dass diese mit dem sogenannten Ertragsteil der Steuerpflicht unterliegen. Wie hoch dieser Ertragsteil ist, hängt davon ab, wie die Zahlung der Unfallrentenversicherung ausgestaltet ist, wie lange diese bezogen wird und daher auch in welchem Alter der Versicherungsnehmer beim Erstbezug der Rente ist. Ebenfalls von Bedeutung ist, ob die Rente nicht bis zum Lebensende sondern nur bis zum Pensionsalter bezahlt wird, was bei vielen Versicherungen optional vereinbart werden kann. Die Höhe des jeweiligen Ertragsteils ist im Einkommenssteuergesetz bzw. in der Einkommenssteuer-Durchführungsverordnung festgelegt.