Unfallrente - Gesetzliche & Private

60 bis 80% aller Unfälle ereignen sich außerhalb des Versicherungsschutzes der gesetzlichen Unfallversicherung.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Schicksalsschläge passieren schnell: Eine Unachtsamkeit auf der Arbeit, im Haushalt, in der Uni oder die Folgen einer Berufskrankheit können das Leben schnell maßgeblich beeinflussen und die eigene Existenz bedrohen. Um sich gegen dieses Risiko abzusichern gibt es die Unfallversicherung. Sie soll den Versicherten mit Hilfe von Geldleistungen und Entschädigung – wie etwa der Unfallrente - im Versicherungsfall vor einem finanziellen Versorgungsengpass schützen.

Der Umfang der Leistungen der Unfallrentenversicherung ist in erster Linie davon abhängig, ob es sich um die gesetzliche Unfallrente, die sogenannte Verletzten- bzw. Berufskrankheitsrente, oder um eine private Unfallrente handelt. Wichtig dafür, ob die Unfallrentenversicherung jedoch überhaupt eintritt, ist unter anderem der Invaliditätsgrad (private Unfallrente) bzw. die Minderung der Erwerbsfähigkeit (gesetzliche Unfallrente), welche in der Regel durch ein ärztliches Gutachten festgestellt werden.

Die gesetzliche Unfallrente - Verletzten- & BK-Rente

Die im Jahre 1884 durch Bismarck in Deutschland eingeführte gesetzliche Unfallversicherung soll Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhüten und nach Eintritt die Gesundheit sowie die Leistungsfähigkeit der aktuell rund 76 Millionen Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherstellen. Ein solch geeignetes Mittel ist u.a. die gesetzliche Unfallrente.

Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit infolge eines Versicherungsfalls über die 26. Woche nach dem Versicherungsfall hinaus um wenigstens 20% gemindert ist (bei Versicherungsfällen ab dem 1. Januar 2008 bei landwirtschaftlichen Unternehmern und ihren im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner, sowie nicht nur vorübergehend mitarbeitende Familienangehörige wenigstens 30%!), haben Anspruch auf die gesetzliche Unfallrente (SGB 7 § 56 Abs. 1 Satz 1).

Wie hoch die Rentenauszahlung ist, orientiert sich grundsätzlich am Jahresarbeitsverdienst (JAV), der dem Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen in den letzten zwölf Kalendermonaten vor dem Versicherungsfall entspricht. Davon werden bei einer Vollrente, d.h. bei 100 % Minderung (= Verlust) der Erwerbsfähigkeit (MdE), 2/3 des JAV geleistet (bis zum Höchstjahresarbeitsverdienst). Bei einer teilweisen Minderung gemäß des "Grades" weniger. Eine Anpassung der Unfallrente entsprechend dem Prozentsatz, um den sich die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung ohne Belastungsveränderungen (Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeitrag) verändert haben (§ 95 SGB VII), erfolgt am 01.07. jeden Jahres durch Rechtsverordnung.

Vorteile der privaten Unfallrente

In vielen Fällen ist die gesetzliche Unfallversicherung und die Unfallrente leider nicht ausreichend. Das gilt vor allem für die 60 bis 80% aller Unfälle, die sich in der Freizeit ereignen. Dort besteht gar kein gesetzlicher Versicherungsschutz, nur eine private Absicherung leistet zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Unter Umständen hat man als Versicherter sogar Anspruch auf beide Versicherungsleistungen, die der gesetzlichen Unfallversicherung und die der privaten Unfallrentenversicherung, nämlich dann, wenn der Unfall während oder in Verbindung mit der beruflichen Tätigkeit vorgefallen ist.

Desweiteren ermöglicht die gesetzliche Unfallrente keine "beliebige" Festsetzung der Rentenhöhe. Bei einer privaten Absicherung kann man beim Abschluss darüber weitestgehend "frei" entscheiden und damit auch gestiegene Kosten für die Lebensführung in Folge eines Unfalles abfangen (Haushaltshilfe, Pflegehilfe, Kinderbetreuung, usw.).

Online-Vergleichsrechner für die private Unfallrente

Aber auch bei Unfällen, die durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt werden, gilt es sich den Leistungsgrundsatz "Prävention vor Rehabilitation und Rehabilitation vor Rente" zu verdeutlichen. Das bedeutet, dass beispielsweise nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit im Vordergrund steht, die Gesundheit des Versicherten mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen und die Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft zu sichern bzw. wieder zu ermöglichen. Eine Unfallrente wird also erst geleistet, wenn alle Möglichkeiten der Rehabilitation ausgeschöpft wurden und eine Minderung der Erwerbsfähigkeit verblieben ist. Bei einer privaten Unfallrentenersicherung kommt es ausschließlich darauf an, dass der festgelegte Invaliditätsgrad erreicht wird und die Invalidität voraussichtlich andauern wird.

Darüber hinaus ermöglicht nur die private Unfallversicherung die Festlegung einer Invaliditätsleistung als Kapitalsumme, mit der zum Beispiel Umbauten in der Wohnung, im Haus oder dem KFZ finanziert werden können.

Steuerliche Bewertung

Auch steuerlich gibt es Unterschiede zwischen der gesetzlichen und der privaten Unfallrente. Während die Leistungen des gesetzlichen Unfallversicherungsträgers vollkommen steuerbefreit sind, müssen die Zahlungen aus einer privaten Unfallversicherung hinsichtlich des jeweiligen Ertragsanteils versteuert werden.

Wer sich für eine Privatversicherung entscheidet, sollte sich die Angebote der verschiedenen Versicherungen genau ansehen. Dabei gilt es nicht nur auf den Preis für eine Unfallrentenversicherung zu schauen, sondern v.a. auf die Leistungen. Ab welchen Invaliditätsgrad wird geleistet? Wie sieht die Gliedertaxe aus (gibt es eine "verbesserte")? Usw. Die private Unfallrente kann in einem eigenständigen Vertrag abgeschlossen werden, oder als Zusatzbestandteil einer "klassischen" privaten Unfallversicherung.